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Böschung statt Bunker
Geschrieben von Daniel Hentschel   
dsc00418.jpg„Böschung statt Bunker“ heißt es in der Pressemitteilung des Bezirksamtes Spandau vom 16.01.2008. In der 4. Kalenderwoche 2008 beginnt der Teilabriss des ehemaligen Luftschutzbunkers am Ungewitterweg in der Gartenstadt Staaken – hieß es zumindest bis zum 23.01.2008! Denn nachdem zuletzt schon 12 ehemalige Luftschutzbunker der Stadt abgerissen wurden, sollte auch dieser begraben werden. Womit aber niemand gerechnet hat: Nach mehr als 60 Jahren wurde die rettende Zuflucht von Einst erneut zum Schutzraum.

Jetzt folgt eine doch sehr überraschende Wende dieser Geschichte: ...


Es bröckelt und rostet; die Wand vom Luftschutzbunker im Staakener Ungewitterweg ist notdürftig mit einem Bauzaun gesichert. Die Arbeiten im Auftrag des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung werden ungefähr 4 bis 6 Wochen dauern. Der Abriss wurde notwendig, weil die äußeren Bunkerwände marode sind und die statische Festigkeit der inneren Betondecken nicht mehr ausreichend gegeben ist: Absturz- und Einsturzgefahr.Bunker16.jpg Darum hat der Bezirk Spandau beim Bund den Abriss beantragt. Und das schon vor 12 Jahren. Am 23.01.2008 sollte es tatsächlich losgehen. Es waren bereits Parkverbote für die Abrissstelle aufgestellt! Doch nun das: Naturschützer entdeckten Fledermäuse im Bunker. Die Naturschützer und das Natur- und Grünflächenamt sind sich einig! Es ist mit mehr Tieren in der Bunkeranlage zu rechnen. Die Fledermäuse befinden sich im Winterschlaf und ihr Quartier ist unantastbar. Am ersten Abrisstag gab es also den Abrissstop. Der Bund als Abrissverantwortlicher hatte offenbar versäumt, den Bunker vorher nach Besuchern zu prüfen.

Die Menschen aus der Umgebung aber haben schon Abschied genommen. Der Betonkoloss war für viele Bewohner der Gartenstadt von 1943 bis 1945 ihr zweites Schlafzimmer. Ertönte ein Fliegeralarm, so sind Anwohner und Kinder aus der Schule im Verbund mit ihren Lehrern in den rettenden Luftschutzbunker geflüchtet. Dass der Luftschutzbunker wegkommt, stimmt nicht jeden traurig, denn schließlich sind damit auch dramatische Erinnerungen verbunden.

Bunker4.jpgDie heutige Tropfsteinhöhle sollte schon 1948 weg. Die Briten hatten damals Dynamit angebracht. Es wurde nicht mit voller Wucht gesprengt, da die Häuser der Gartenstadt zu nah am Luftschutzbunker standen. Was nach der Sprengung übrig blieb, wurde mit Sand und Trümmerschrott aufgefüllt. Nun gilt der Bunkerberg in ganz Spandau seit 1951 als beliebte Rodelbahn. dsc00417.jpgBezirksstadtrat Röding führt in der Pressemitteilung unter anderem aus, dass die Rodelbahn den Spandauern erhalten bleibt, ob mit oder ohne Bunker, das steht fest.

Bunker statt Böschung? Ob der marode Bunker nun abgetragen wird ist allerdings noch offen. Entscheiden muss die oberste Naturschutzbehörde. Und wenn Räumfahrzeuge anrücken, dann frühestens im Mai, wenn die Fledermäuse hier nicht mehr schlafen.

[Bilder - Bunkerbesichtigung vom 19. Januar 2008]

 Bunker10.jpgBunker11.jpg Bunker14.jpg Bunker15.jpg 
 Bunker16.jpg Bunker17.jpg Bunker3.jpg Bunker5.jpg

 
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